Gastartikel: Damit Texte auch Anfragen bringen – Themenwahl nach Kaufabsicht
Sie haben einen Beitrag geschrieben, auf den Sie stolz sind. Sauber recherchiert, klar aufgebaut, angenehm zu lesen. Ein paar Wochen später zeigen die Zahlen Besucher, vielleicht sogar viele. Und dann kommt die Frage der Kundin: „Schön, aber wo sind die Anfragen?“
Diesen Moment kennen viele, die für andere schreiben. Der Text ist gut, die Arbeit stimmt, und trotzdem bleibt genau die Wirkung aus, an der die Kundin den Erfolg misst. Es fühlt sich an, als läge es am Schreiben. Tut es aber selten. Der Grund liegt fast immer eine Stufe davor, bei der Wahl des Themas. Von Daniel Kapovic, Gründer von SEO-Friends und VoIP-One Daniel Kapovic, Gründer von SEO-Friends und VoIP-One
Zwanzigtausend Besucher und fast keine Kunden
Als ich selbst einen Anbieter für B2B-Cloud-Telefonie aufgebaut habe, habe ich das am eigenen Leib gelernt. Einer unserer erfolgreichsten Artikel erklärte, wie man beliebige VoIP-Telefone über das offene SIP-Protokoll an das Netz des größten Schweizer Anbieters anschließt. Diese eine Seite zog insgesamt rund 20.000 Besucher an und hat unsere Domain spürbar gestärkt.
Nur war es die falsche Zielgruppe. Wer so etwas sucht, bastelt selbst an seiner Technik herum. Das sind keine Geschäftsführer, die eine Telefonanlage für ihr Unternehmen suchen. Anfragen waren aus diesem Traffic praktisch ausgeschlossen.
Dasselbe bei einem Artikel über VoIP-Adapter, in dem wir die verschiedenen Analog-Adapter erklärten, mit denen sich herkömmliche Telefone an ein modernes VoIP-System anschließen lassen. Er rankte hervorragend und brachte Besucher. Wieder vor allem Bastler, kaum Geschäftskunden.
Tipp: Die tatsächlichen Anfragen kamen von ganz anderen Begriffen. Von „VoIP Telefonanlage“ und „VoIP Schweiz“. Das entsprach genau dem, was wir verkauften, einem selbst entwickelten Schweizer Telefonanlagen-Produkt. Gleiche Mühe pro Text, völlig anderes Ergebnis. Daraus habe ich gelernt: Traffic und Autorität sind wertvoll, aber sie sind nicht dasselbe wie Nachfrage.
Mein eigener Irrtum
Lange dachte ich, ein Blog-Artikel könne das Vehikel für jedes beliebige Keyword sein, auch für ein kaufnahes. Das war der Fehler. Ein Artikel, der einen kommerziellen Suchbegriff jagt, sitzt zwischen den Stühlen. Als Ratgeber zieht er die Lernenden an, als Verkaufsseite bleibt er zu unentschlossen, um jemanden zur Anfrage zu bewegen. Ich habe also Aufwand in Texte gesteckt, die weder ganz oben ankamen noch verkauften.
Tipp: Heute trenne ich sauber, und genau diese Trennung ist der Punkt, den eine erfahrene Texterin ihren Kunden voraushaben kann.
Wie ich die Absicht heute bestimme
Zuerst recherchiere ich, wie der Kunde überhaupt benennt, wonach gesucht wird, und welche dieser Begriffe echtes Suchvolumen haben. Dann sortiere ich nach Volumen und Wettbewerb und sehe, wo das größte Potenzial liegt.
Erst danach kommt die entscheidende Frage: Steckt hinter dem Begriff eine kommerzielle oder eine informative Absicht? Will jemand kaufen oder lernen? Mit der Zeit erkennt man die Muster, und Werkzeuge wie Mangools oder Semrush zeigen den Intent je Suchbegriff gleich mit an.
Tipp: Der kommerzielle Begriff bekommt eine eigene Landingpage, die genau auf diese Kaufabsicht ausgerichtet ist. Die informativen Begriffe werden zu Blog-Artikeln, aber nicht zum Selbstzweck. Sie bauen rund um die Landingpage ein Themencluster auf, verweisen auf sie und stützen sie mit thematischer Autorität.
Ein Beispiel aus meiner heutigen Arbeit: Wir haben eine Seite auf „SaaS SEO Agentur“ ausgerichtet, einen klar kaufnahen Begriff. Mehrere Blog-Artikel zu informativen „SaaS SEO“-Themen verweisen darauf und ziehen die Seite mit nach oben.
Fazit: Was das für Ihre Arbeit bedeutet
Daraus folgt eine einfache Regel: Landingpages richtet man auf kaufnahe Begriffe aus. Blog-Artikel schreibt man, um die thematische Autorität zu stärken, nicht, um direkt zu verkaufen. Einen Blog-Artikel auf ein kommerzielles Keyword zu trimmen, führt selten zum Ziel.
Für Ihre Praxis heißt das vor allem eins: Wenn eine Kundin Ihnen eine Liste mit zehn Themen gibt, können Sie sie nach Absicht sortieren, bevor das erste Wort steht. Welches Thema gehört auf eine eigene Verkaufsseite, welches taugt als unterstützender Beitrag, und welches bringt zwar Klicks, aber die falschen Leute?
Wer das verinnerlicht, schreibt nicht weniger gut, sondern berät mit. Sie können einer Kundin vorab sagen, welcher Text Besucher bringt, welcher Anfragen, und welche Rolle jeder einzelne im Ganzen spielt. Ein Blog-Artikel wird dann nicht mehr daran gemessen, ob er direkt Leads bringt, sondern daran, wie gut er die Seite stützt, die es tut. Und die kaufnahe Absicht landet endlich dort, wo sie hingehört.
Genau diese Einteilung nach Absicht lässt sich systematisch aufsetzen, gerade bei SEO für kleinere Unternehmen mit überschaubarem Budget.
Der beste Text nützt wenig, wenn er die falsche Frage beantwortet. Der gut geschriebene Text zur richtigen Absicht, am richtigen Ort, bringt das, was am Ende zählt.
Über den Autor
Daniel Kapovic ist Gründer von SEO-Friends, einer auf B2B spezialisierten SEO-Agentur für Unternehmen aus IT, SaaS und Industrie im deutschsprachigen Raum.

Sabine Saldaña Bravo
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